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Testlauf für den nächsten Kindergeburtstag

Das Kind hat bald Geburtstag.  Eine Überraschung wie vor zwei Jahren will ich vermeiden, als ich mich zwei Tage vorher nach den Kuchenvorlieben erkundigt hatte, so etwas wie "Schokokuchen" oder "Zitronenkuchen" erwartend, und dann mit dem Wunsch "eine Ritterburg!!" konfrontiert wurde. Ach du Schande, dachte ich mir, hätte ich mal bloß entweder früher oder besser gar nicht gefragt. 

Aber weil der Wunsch des Geburtstagskindes dann halt doch berücksichtigt werden muß, wurde es eine Burg. Oder zumindest eine Art Burg, eher ein ziemlich zusammengeschustertes Provisorium aus Brownies, ein paar Muffins, einem Butterkeks-Tor und einer Zugbrücke aus Schokoriegeln. Zum Schluss noch ein paar Fahnen auf die Türme gesteckt, damit das Ganze etwas authentischer aussieht. Man brauchte aber trotzdem ein wenig Fantasie, um die Burg zu erkennen. 

Gottseidank hat das Kind jede Menge Fantasie, Perfektion ist ihm ziemlich  schnuppe und die Ritterburg war dementsprechend ein Erfolg. 

 

Trotzdem fragte ich diesmal vorsichtshalber mit ein paar Wochen Vorlauf. Das war ganz gut, denn das Kind meldete: "Legokuchen!" Kein Wunder, dieser Wunsch. Ich hatte nämlich mal so eine Silikonform von LEGO® gekauft, für Eiswürfel. Das Kind findet diese Form herrlich. 

 

Im Netz findet man jede Menge Kuchen im entsprechenden Design. Manche sind echte Kunstwerke, ganz offensichtlich von Profis gemacht. Toll! Das kann ich aber nicht. Andere wiederum sehen aus wie meine Ritterburg: zusammengeschustert. Sowas brauche ich auch nicht. Meine Idee ist schlicht: Mit der Eiswürfelform essbare LEGO Steine herstellen und damit Muffins oder Kuchen verzieren. Eigentlich ganz simpel, sollte man meinen. 

Versuch Nr. 1:  Zuckerguss

Das Kind liebt Zuckerguss (was ich nicht verstehe), den Vorschlag fand es super. 

Richtig schön dick, bunt eingefärbt, ein paar Tage in der Form durchgetrocknet. Müsste hinhauen, dachte ich. Der Zuckerguss dachte aber nicht daran, durchzutrocknen. Nach drei Tagen war die Konsistenz immer noch zu weich und ich habe diesen Versuch aufgegeben. Hmpf. 

 

Versuch Nr. 2: Kuvertüre

Weiße Kuvertüre, die sollte doch leicht einzufärben sein, denke ich mir, und schmeckt dem Kind auch (was ich ebenfalls nicht verstehen kann). Die Einfärberei ging leider schon mal in die Hose. Die Kuvertüre wurde bröselig und tat so, als sei sie mit Wasser in Berührung gekommen. Ich hatte die falsche Lebensmittelfarbe erwischt, ganz blöder Anfängerfehler. Gut, dann eben in Weiß, ist auch schon wurscht.

Leider ließ sich die Kuvertüre nach dem Trocknen nicht aus der Form lösen. Was auch immer ich da falsch gemacht habe, es ging nicht. Die Kuvertüresteine kamen in einem Zustand aus der Form, der nicht schön anzusehen war. Mist.

 

Versuch Nr. 3: Marzipan 

Gleich vorweg: prima Sache!

Das Marzipan mit viel Puderzucker verknetet, eingefärbt und dann portionsweise in die Form gedrückt und gleich wieder rausgenommen - funktionierte hervorragend. An der Luft trocknen lassen, und dann für die Haltbarkeit noch mit einer dünnen Zuckerlösung eingepinselt. Das macht zwar eine etwas raue Oberfläche (was man auf den Fotos zum Teil sehr gut erkennen kann), aber damit kann ich leben. 

 

Die Krux: das Kind mag kein Marzipan (und DAS kann ich nun wirklich nicht verstehen)! 

 

Ach komm, am besten gibt es doch einen simplen Schokokuchen. Der macht am wenigsten Stress und die Erfahrung zeigt: schlussendlich ist den Kindern das Kuchendesign ziemlich wurscht, Hauptsache, es gibt Kuchen.

Aber eines ist klar - beim nächsten Geburtstag frage ich sicher keine Wünsche mehr ab. 

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